Veröffentlichung der Missbrauchsstudie!

Datum:
18. März 2021
Erste Reaktion von Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses Köln zum Missbrauchsgutachten im Kölner Stadt-Anzeiger

„Heute ist nichts offenbart worden, das nicht schon längst bekannt war. Dass Kardinal Woelki in einem ersten Schritt Weihbischof Domenikus Schwaderlapp und Offizial Günter Assenmacher entbunden hat, finde ich gut. Es hätte mich maßlos enttäuscht, wenn nicht zumindest das passiert wäre.

Die Kanzlei Gercke hat für das Gutachten Akten gewälzt, die miserabel geführt waren. Aber was soll eine rechtliche Prüfung auf der Grundlage einer defizitären Aktenlage wert sein? Und vor allem: Was ist mit all dem, was nicht in den Akten steht. Das größte Manko ist allerdings das Fehlen einer moralischen Dimension, die heute – auch im Statement des Kardinals – keinerlei Thema war. Wir verweigern als Institution homosexuellen Paaren aus moralischen Erwägungen den Segen und legen beim Thema Missbrauch eben diesen moralischen Anspruch nicht an. In dieser Kluft liegt der Kern des Glaubwürdigkeitsproblems der katholischen Kirche: Wir sagen etwas, das wir selber nicht tun und beharren auf ein Rechtsgutachten, statt Geschehenes moralisch zu bewerten.

Voraussetzung dafür, dass die Laien ihre aufgekündigte Mitarbeit am Pastoralen Zukunftsweg wieder einsetzen, ist, dass endlich Gespräche stattfinden über die strukturellen Konsequenzen aus Machtmissbrauch und Klerikalismus, die die Wurzel des Missbrauchsskandals sind. Ich habe allerdings die Befürchtung, dass kommende Woche als Konsequenz aus dem Gercke-Gutachten lediglich Verbesserungen in der Aktenführung verkündet werden.“