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Der Sonntag ist mehr als ein Einkaufstag :Stellungnahme des Katholikenausschusses in der Stadt Köln zu den beantragten verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr 2027

Datum:
4. Nov. 2026
Der Katholikenausschuss in der Stadt Köln betrachtet die für das Jahr 2027 beantragten verkaufsoffenen Sonntage mit Sorge.

Wir nehmen die Anliegen der örtlichen Gewerbetreibenden und die wirtschaftlichen Herausforderungen des stationären Einzelhandels ernst. Zugleich erinnern wir an den besonderen Wert des arbeitsfreien Sonntags für unsere Stadtgesellschaft.

Der gemeinsame freie Sonntag ist eine wichtige soziale Errungenschaft. Er schafft Zeit für Familie und
Freundschaften, für Gottesdienst, ehrenamtliches Engagement, Begegnung und Erholung. Gerade in einer
Gesellschaft, die zunehmend von wirtschaftlichen Anforderungen, ständiger Erreichbarkeit und Beschleunigung geprägt ist, brauchen Menschen gemeinsame Zeiten, die nicht der Erwerbsarbeit und dem Konsum untergeordnet sind. Dies gilt besonders für Beschäftigte im Einzelhandel, die nur begrenzt über ihre Arbeitszeiten bestimmen können. Ein freier Tag unter der Woche kann einen freien Sonntag nicht ersetzen. Sein Schutz ist deshalb auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Wir wissen um die schwierige Situation vieler Einzelhändlerinnen und Einzelhändler. Der zunehmende
Onlinehandel, veränderte Einkaufsgewohnheiten und steigende Betriebskosten stellen insbesondere kleinere
Geschäfte vor erhebliche Herausforderungen. Die Antwort darauf kann jedoch nicht sein, den stationären Handel immer häufiger auch sonntags zu öffnen. Vielmehr braucht es langfristige Konzepte zur Stärkung unserer Stadtteilzentren und des örtlichen Einzelhandels. Wir nehmen wahr, dass von Seiten der Stadtverwaltung und Köln. Business hierzu auch schon einiges passiert.

Wir begrüßen Straßenfeste, die das gesellschaftliche Leben in unseren Kölner Veedeln bereichern. Kritisch sehen wir jedoch, dass überregionale Händler und kommerzielle Angebote dominieren, während örtliche Vereine, Initiativen und Gewerbetreibende in den Hintergrund treten. Lebendige Veedel brauchen Begegnung, Kultur und Gemeinschaft – nicht zwingend geöffnete Geschäfte am Sonntag. Deshalb regen wir an, den lokalen und kulturellen Charakter der Feste zu stärken und Veranstaltungen sowie besondere Einkaufsaktionen stärker auf Freitage und Samstage zu konzentrieren.

Mit Blick auf die beantragten Sonntagsöffnungen sehen wir die Gefahr, dass durch die regelmäßige Verbindung mit wiederkehrenden Veranstaltungen aus einer begründeten Ausnahme zunehmend eine Selbstverständlichkeit wird. Die rechtlichen Möglichkeiten zur Sonntagsöffnung sollten nicht als auszuschöpfendes Kontingent verstanden werden.

Der Katholikenausschuss in der Stadt Köln appelliert deshalb an die Mitglieder des Rates, bei der
Entscheidung über die Sonntagsöffnungen 2027 Maß zu halten und dem besonderen Schutz des Sonntags
Rechnung zu tragen.

Der freie Sonntag dient dem Gemeinwohl. Er ist ein wichtiges Zeichen gegen die zunehmende Verzweckung,
Beschleunigung und Kommerzialisierung aller Lebensbereiche. Nicht alles, was wirtschaftlich möglich ist, muss
auch an jedem Tag möglich sein.

Wir wünschen uns ein Köln, in dem lebendige Veedel, ein vielfältiger Einzelhandel und der Schutz gemeinsamer freier Zeit gleichermaßen ihren Platz haben.