Kontakt

Domkloster 3
50667 Köln
Telefon: 0221 - 92 58 47 80
Fax: 0221 - 92 58 47 71


E-Mail: koeln@katholikenausschuss.de

Anfahrtsbeschreibung

Der Arbeitsbericht des KA "Gesagt - getan" für das Jahr 2018

Termine

Werkgespräch
"Mit Blick auf ..."
06.11.2019 - Jeden ersten Mittwoch im Monat, 18 bis 19 Uhr, Unkostenbeitrag € 5,- oder eine gültige Jahreskarte
Regionaltage für Pfarrgemeinderäte im Erzbistum Köln
16.11.2019 - "Da Geht was" - Regionaltage für Pfarrgemeinderäte im Erzbistum Köln Was? Wie? Wo? Wozu?

Sonst noch ...

Podiumsgespräch zur Kremierung
29.12.2017 - KA und Evangelischer Kirchenverband Köln und Region hatten eingeladen zum Thema "Umgang mit der Asche verstorbener Menschen".
Gemeinsam gegen Antisemitismus
19.11.2017 - Gesammelte Aufmerksamkeit und betroffene Stille im abendlichen Einkaufstrubel -

Jerzy Groß und seine jungen Freunde

Bericht über die Teilnahme an einem Workshop im KI, Aachen im August dieses Jahres

Drei junge ehemalige Schülerinnen und Schüler  der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Alsdorf unter Leitung von Religionslehrerin Annika Franzke stellten stellvertretend für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler am Aachener Katechetischen Institut eine neue, selbstentwickelte Unterrichtsreihe vor.

In einer beeindruckenden Präsentation am 22. August, besucht auch von einem Mitglied des KA Vorstands, erläuterten sie nicht nur die von Ihnen erstellten Materialien, sie erwiesen sich auch sehr kenntnisreich über die Hintergründe und Zusammenhänge der Geschichte, mit denen sich das Buch „Spiel mir das Lied vom Leben“ der Autorin Angela Krumpen beschäftigt.

 

Näheres finden Sie unter dem ausführlichen Bericht, erfasst von der Ehemaligen Elina Breuer, unterstützt durch Interviews, durchgeführt  von Frank Hansen.

Über den Bezug des Unterrichtsmaterials und der Grundlagen dazu informiert das Katechetische Institut Aachen oder das Büro des KA.

 

Schüler gestalten eigene Unterrichtsreihe

Bericht: Elina Breuer

 

Schülerinnen und Schüler zeigen  „Gegen das Vergessen“ eine beachtliche Motivation und ein nachhaltiges Interesse am Lernen und Unterricht.

Drei junge ehemalige Schülerinnen und Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Alsdorf unter Leitung von Religionslehrerin Annika Franzke stellten stellvertretend für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler am Aachener Katechetischen Institut eine neue, selbstentwickelte Unterrichtsreihe vor.

Die drei engagierten Abiturienten Adelina Agic, Niklas Milewicz und Carmen Llera-Brandt präsentierten Relgionslehrerinnen und -lehrer aus Sicht der Schüler ein Unterrichtskonzept und somit eine neue Art des Lernens. Die in der Freizeit selbstgestaltete Unterrichtsreihe, die auf Grundlage des Buches „Spiel mir das Lied vom Leben“, geschrieben von Angela Krumpen, kreiert wurde, soll gegen das Vergessen arbeiten und an die Ereignisse des Antisemitismus und Holocaust erinnern.

In dem Buch „Spiel mir das Lied vom Leben“, welches als Auslöser für die Entstehung der Unterrichtsreihe diente, geht es um die außergewöhnliche Freundschaft zwischen dem damals elfjährigen Mädchen Judith Stapf und dem ehemaligen KZ-Insassen Jerzy Gross.
Über die Musik (Jerzy Gross spielte selbst Geige) kommen beide zusammen.
Jerzy berichtet der jungen Judith über das Leben als Halbjude und erzählt ihr die schrecklichen Ereignisse im Nationalsozialismus, von Verfolgung und Holocaust. Dabei erfährt Judith, dass Jerzy als Kind auf Schindlers Liste stand. Judith ist zutiefst ergriffen und kann kaum glauben, welches Schicksal betroffene Menschen wie Juden in der damaligen Zeit erleiden mussten.

 

Da dieses Buch auf einer wahren Begebenheit beruht, wirkte es für die Abiturienten einmal mehr und berührte sie tief in ihrem Inneren. Die Schüler waren so ergriffen, dass sie zu dem Entschluss kamen – diese Geschichte muss weitergegeben werden!
Nach einer Lesung mit Angela Krumpen am Katechetischen Institut im Herbst 2018 beschloss der Religionskurs, auch eine Lesung an ihrer Schule zu organisieren. Dieses Ansinnen kam von allen Schülerinnen und Schülern des Kurses und sie selbst nahmen Organisation, Werbung und Durchführung der Lesung in die Hand.
Der Erfolg der Lesung am 18. Januar 2019 in der Gustav-Heinemann-Gesamtschule hatte auch wiederum eine nachhaltige Wirkung auf die Schülerschaft erzeugt. Selbst aus der lokalen Politik und Presse waren Anwesende an diesem Abend da.
Sie waren so motiviert und wollten weiterhin, dass das Thema „Gegen das Vergessen – nie wieder Antisemitismus und Hass in unserer Gesellschaft“ auch die ihr nachfolgenden Schülergenerationenen beschäftigt und weitergetragen wird.

Die engagierten Schüler diskutierten zusammen mit ihrer Religionslehrerin, Annika Franzke, wie dieses Thema am besten verbreitet werden könnte. Sie kamen auf die Idee, eine eigene Unterrichtsreihe anhand des Buches zu entwerfen. Da es bisher noch kein Lehrmaterial gab, hielten sie diese Vorgehensweise für angemessen. Die Schüler setzten sich in Arbeitsgruppen zusammen und entwickelten eine anschauliche Unterrichtsreihe, die individuell angepasst, in allen Jahrgängen unterrichten werden kann. Zudem integrierten sie in das Lehrmaterial sowohl auditive als auch visuelle Sequenzen, sodass Emotionalität und Sensibilität gefördert wird. Dies war den Schülern sehr wichtig, wie sie berichteten.

 

„Zudem beschränkt sich das Lehrmaterial, nicht nur auf Einzelarbeit, sondern auch auf Gruppenarbeit, sodass der Austausch untereinander angeregt wird“ berichtet eine Schülerin auf der Fortbildung.
Dazu hat die Gruppe darauf Wert gelegt, dass das Lehrmaterial nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch in weiteren Fächern wie Geschichte, Deutsch oder Musik praktiziert werden kann. „Dies bietet eine weitere Möglichkeit gegen das Vergessen anzukämpfen“ fügt ein Schüler der Arbeitsgruppe hinzu.

Ziel und Intention der engagierten Schülergruppe ist es, dass dieses Thema nicht verdrängt wird, sondern publiziert werden soll und Schüler, dieses zunächst schwierig erscheinende Thema, erfassen können.
Die Unterrichtsreihe soll den Schülern bewusst machen, dass diese Geschehnisse heutzutage wieder passieren können.

Dieses Anliegen der Gruppe wurde auf der Fortbildung sehr deutlich und stieß auf durchweg positive Anerkennung bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Zuhörer führten rege Diskussionen und tauschten sich zusammen mit der vorstellenden Gruppe über das umfangreiche Lehrmaterial aus.

Lothar Ricken, Religionslehrer an der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg war überwältigt von dem Engagement der Abiturientinnen und Abiturienten der GHG-Alsdorf: “Das Besondere aber ist hier, dass Schüler ein Konzept und Materialien entwickelt haben für andere Schüler.  Das fand ich das Interessante. Und hier fühlen sich die Schüler besonders auch emotional herausgefordert und da ist Sensibilität bei jungen Menschen, bei unseren Schülern und das ist sehr ermutigend“.

Die Arbeitsgruppe und ihre Religionslehrerin bekamen für die mühevolle und aufwendig gestaltete Arbeit von den Teilnehmenden durchweg Lob und Anerkennung sowie positive Kritik.
Hervorzuheben ist, dass die nun ehemaligen Schülerinnen und Schüler, die dieses Jahr ihr Abitur an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule ablegten, auch über ihre nun zurückliegende Schulzeit hinaus weiterhin als Botschafter ihres Konzeptes zur Verfügung stehen.

Johannes Gather, Dozent am Katechetischen Institut und Seminarleiter war  beeindruckt von den Schülerinnen und Schülern, die bereit sind  aus ihrer Erfahrung mit Schule und Unterricht, Lehrerinnen und Lehrer was weiterzusagen, wie Unterricht besser sein könnte. „Wenn es dann noch um ein Thema geht wie Vermeidung von Hass und Gewalt und sich an den Holocaust zu erinnern und die Konsequenzen für heute zu überlegen und das auch noch mit einem solch missionarischen Eifer das finde ich einfach faszinierend.“

Die Gruppe hofft für die Zukunft, dass durch diese Arbeit, die Geschichte von Jerzy und Judith sowie Aufklärung über das dunkle Kapitel deutscher Geschichte weitergetragen wird und gegen das Vergessen gehandelt wird.

Zurück